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Schopenhauers Kosmos

 

 Literaturgeschichte.

1) Der Lauf der Literaturgeschichte.

Während in der Weltgeschichte ein halbes Jahrhundert immer für die Entwicklung beträchtlich ist, so ist hingegen in der Geschichte der Literatur die selbe Zeit oft für gar keine zu rechnen; man steht noch, wo man vor fünfzig Jahren gewesen. Denn stümperhafte Versuche gehen sie nicht an. Dies zu erläutern, denke man sich die Fortschritte der Erkenntnis beim Menschengeschlechte unter dem Bilde einer Planetenbahn. Dann lassen sich die Irrwege, auf welche es meistens bald nach jedem bedeutenden Fortschritte gerät, durch Ptolemäische Epizyklen darstellen, nach der Durchlaufung eines jeden von welchen es wieder da ist, wo es vor dem Antritt derselben war. Die großen Köpfe jedoch, welche wirklich auf jener Planetenbahn das Geschlecht weiterführen, machen den jedesmaligen Epizyklus nicht mit. Mit diesem Hergang der Dinge hängt es zusammen, dass wir den wissenschaftlichen, literarischen und artistischen Zeitgeist ungefähr alle 30 Jahre deklarierten Bankrott machen sehen. In solcher Zeit nämlich haben alsdann die jedesmaligen Irrtümer sich so gesteigert, dass sie unter der Last ihrer Absurdität zusammenstürzen, und zugleich hat die Opposition sich an ihnen gestärkt. Nun also schlägt es um; oft aber folgt jetzt ein Irrtum in entgegengesetzter Richtung. Diesen Gang der Dinge in seiner periodischen Wiederkehr zu zeigen, wäre der rechte pragmatische Stoff der Literaturgeschichte. (P. II, 591—593.)

2) Die tragische Seite der Literaturgeschichte.

Eine Darstellung der tragischen Seite der Literaturgeschichte würde zeigen, wie die verschiedenen Nationen, deren jede ihren höchsten Stolz in die großen Schriftsteller und Künstler, welche sie aufzuweisen hat, setzt, diese während ihres Lebens behandelt haben. Sie brächte uns also jenen endlosen Kampf vor die Augen, den das Gute und Echte aller Zeiten und Länder gegen das jedes Mal herrschende Verkehrte und Schlechte zu bestehen hat, das Märtyrertum fast aller wahren Erleuchter der Menschheit, fast aller großen Meister in jeder Art und Kunst. (P. II, 594 fg.)

3) Gegensatz zwischen der politischen und der Literaturgeschichte.

(S. Geschichte.)

4) Gegen die Monomanie, Literaturgeschichte zu lesen.

Gegen die heut zu Tage herrschende Monomanie, Literaturgeschichte zu lesen, um von Allem schwätzen zu können, ohne irgend etwas eigentlich zu kennen, ist eine höchst lesenswerte Stelle in Lichtenbergs Schriften (Bd. II, S. 302 der alten Ausgabe) zu empfehlen. (P. II, 594.)