Schopenhauers Kosmos

 

 Zitate.

1) Gegen den häufigen Gebrauch der Zitate.

Durch viele Zitate vermehrt man seinen Anspruch auf Gelehrsamkeit, vermindert aber den auf Originalität, und was ist Gelehrsamkeit gegen Originalität! Man soll sie also nur gebrauchen, wo man fremder Auktoritäten wirklich bedarf. (H. 474.)
Die Leute, welche so eifrig und eilig sind, streitige Fragen durch Anführung von Auktoritäten zu entscheiden, sind eigentlich froh, wann sie, statt eigenen Verstandes und Einsicht, daran es fehlt, fremde ins Feld führen können. Ihre Zahl ist Legion. (P. II, 533.)

2) Über verfälschte Zitate.

Wie wenig Ehrlichkeit unter den Schriftstellern ist, wird sichtbar an der Gewissenlosigkeit, mit der sie ihre Anführungen aus fremden Schriften verfälschen. Oft geschieht die Verfälschung aus Nachlässigkeit, indem ihre trivialen und banalen Ausdrücke und Wendungen ihnen schon in der Feder liegen, und sie solche aus Gewohnheit hinschreiben; bisweilen geschieht sie aus Naseweisheit, die besseren will; aber nur zu oft geschieht sie aus schlechter Absicht, — und dann ist sie eine schändliche Niederträchtigkeit und ein Bubenstück der Falschmünzerei gleich, welches seinem Urheber den Charakter des ehrlichen Mannes ein für alle Mal wegnimmt. (P. II, 583.)