Schopenhauers Kosmos

 

 Wunderkinder.

Der Wille ist unveränderlich, der Intellekt dagegen dem Wechsel und Wandel unterworfen. (Vergl. unter Intellekt: Sekundäre Natur des Intellekts.) Daher lässt sich zwar aus den Charakterzügen des Knaben die Hauptrichtung seines Willens im ganzen späteren Leben prognostizieren, keineswegs aber lassen sich eben so aus den im Knaben sich zeigenden Intellektuellen Fähigkeiten die künftigen prognostizieren; vielmehr werden die ingenia praecocia, die Wunderkinder, in der Regel Flachköpfe. (W. II, 265.)
Die Jugendkräfte soll man schonen, weil sie durch frühe Überanstrengung erschöpft werden. Dies gilt, wie von der Muskelkraft, so noch mehr von der Nervenkraft, deren Äußerung alle Intellektuellen Leistungen sind; daher werden die ingenia praecocia, die Wunderkinder, die Früchte der Treibhauserziehung, welche als Knaben Erstaunen erregen, nachmals sehr gewöhnliche Köpfe. (P. I, 518.)