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Schopenhauers Kosmos

 

 Tadeln.

Seine eigenen Fehler und Laster bemerkt man nicht, sondern nur die der Andern, weil es die Natur des Auges mit sich bringt, dass es nach Außen und nicht sich selbst sieht. Daher ist zum Innewerden der eigenen Fehler das Bemerken und Tadeln derselben an Anderen ein sehr geeignetes Mittel. Jeder hat am Anderen einen Spiegel, in welchem er seine eigenen Laster, Fehler, Unarten und Widerlichkeiten jeder Art erblickt. Allein meistens verhält er sich dabei, wie der Hund welcher gegen den Spiegel bellt, weil er nicht weiß, dass er sich selbst sieht, sondern meint, es sei ein anderer Hund. Wer Andere bekrittelt, arbeitet an seiner Selbstbesserung. Also Die, welche die Neigung und Gewohnheit haben, das Tun und Lassen der Anderen im Stillen, bei sich selbst, einer aufmerksamen und scharfen Kritik zu unterwerfen, arbeiten dadurch an ihrer eigenen Besserung und Vervollkommnung; denn sie werden entweder Gerechtigkeit, oder doch Stolz und Eitelkeit genug besitzen, selbst zu vermeiden, was sie so oft strenge tadeln. (P. I, 488 fg.)