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Schopenhauers Kosmos

 

 Subjekt.

Das Subjekt zerfällt in das Subjekt des Wollens und in das Subjekt des Erkennens, deren Identität im Ich das Wunder κατ εξοχην ist. (S. Ich.)

1) Das Subjekt des Wollens.

Das Subjekt des Wollens ist nur dem inneren Sinn gegeben, daher es allein in der Zeit, nicht im Raum erscheint. (G. 140.) Es ist Gegenstand des Selbstbewusstseins und wird in demselben nicht als beharrende Substanz angeschaut, sondern nur in seinen sukzessiven Regungen erkannt. (S. unter Bewusstsein: Gegensatz des Selbstbewusstseins und des Bewusstseins anderer Dinge.)

2) Das Subjekt des Erkennens.

a) Das reine Subjekt des Erkennens.

(S. unter Intellekt: Der reine Intellekt.)

b) Bedingtheit des Objekts durch das Subjekt des Erkennens.

(S. Objekt.)

c) Unerkennbarkeit des Subjekts des Erkennens.

Dasjenige, was Alles erkennt und von Keinem erkannt wird, ist das Subjekt. (W. I, 5 fg. P. I, 111.) Das Subjekt des Erkennens kann nie erkannt, nie Objekt, Vorstellung werden. Da wir dennoch nicht nur eine äußere (in der Sinnesanschauung), sondern auch eine innere Selbsterkenntnis haben, jede Erkenntnis aber, ihrem Wesen zufolge, ein Erkanntes und Erkennendes voraussetzt, so ist das Erkannte in uns, als solches, nicht das Erkennende, sondern das Wollende, das Subjekt des Wollens, der Wille. (G. 141—143. E. 11. Vergl. unter Erkenntnis: Warum es kein Erkennen des Erkennens gibt.)

d) Ungeteilte Gegenwart des Subjekts des Erkennens in jedem vorstellenden Wesen.

Das Subjekt, das Erkennende, nie Erkannte, liegt nicht, wie alles Objekt, in den Formen des Erkennens, in Zeit und Raum, durch welche die Vielheit ist. Ihm kommt also weder Vielheit, noch deren Gegensatz, Einheit zu. Es ist ganz und ungeteilt in jedem vorstellenden Wesen; daher ein einziges von diesen eben so vollständig, als die vorhandenen Millionen, mit dem Objekt die Welt als Vorstellung ergänzt; verschwände aber auch jenes einzige, so wäre die Welt als Vorstellung nicht mehr. (W. I, 6; H, 18.)

e) Phänomenalität des Subjekts des Erkennens.

Das Subjekt des Erkennens ist, wie der Leib, als dessen Gehirnfunktion es sich objektiv darstellt, Erscheinung des Willens, der, als das alleinige Ding an sich, das Substrat des Korrelats aller Erscheinungen, d. i. des Subjekts der Erkenntnis, ist. (P. I, 111.) Das Subjekt des Erkennens ist nichts Selbstständiges, kein Ding an sich, hat kein unabhängiges, ursprüngliches, substantielles Dasein; sondern es ist eine bloße Erscheinung, ein Sekundäres, ein Akzidenz, zunächst durch den Organismus bedingt, der die Erscheinung des Willens ist; es ist, mit Einem Wort, nichts Anderes, als der Fokus, in welchen sämtliche Gehirnkräfte zusammenlaufen. (P. II, 48. Vergl. Ich, Seele und Intellekt.)

f) Widerlegung des Schlusses von der Beharrlichkeit auf die Substantialität des erkennenden Subjekts.

Der Lauf der Zeit mit Allem in ihr könnte nicht wahrgenommen werden, wenn nicht etwas wäre, das an demselben keinen Teil hat, und mit dessen Ruhe wir die Bewegung jenes verglichen. Dieses unverrückt Feststehende, welches die Wahrnehmung des Fortrückens der Zeit erst möglich macht, an welchem die Zeit mit ihrem Inhalt vorüberfließt, kann nun allerdings nichts Anderes sein, als das erkennende Subjekt selbst, als welches dem Laufe der Zeit und dem Wechsel ihres Inhalts unerschüttert und unverändert zuschaut. Vor seinem Blicke läuft das Leben, wie ein Schauspiel, zu Ende. (P. I, 108 fg.)
Aber auf dieser Beharrlichkeit des erkennenden Subjekts folgt nicht, dass es eine unzerstörbare Substanz sei. Denn es ist doch an das Leben und sogar an das Wachen gebunden, seine Beharrlichkeit während Beider beweist also keineswegs, dass sie auch außerdem bestehen könne. Denn diese faktisch e Beharrlichkeit für die Dauer des bewussten Zustandes ist noch weit entfernt, ja toto genere verschieden von der Beharrlichkeit der Materie, von welcher letzteren wir nicht bloß ihre faktisch e Dauer, sondern ihre notwendige Unzerstörbarkeit und die Unmöglichkeit ihrer Vernichtung a priori einsehen. (P. I, 109 fg. Vergl. auch Ich und Seele.)

g) Das reine, willenlose Subjekt des Erkennens.

(S. Ästhetisch, und unter Idee: Die Erkenntnis der Ideen.)

h) Identität des Subjekts des Wollens mit dem erkennenden Subjekt.

(S. Ich.)