Schopenhauers Kosmos

 

 Quartett.

Die große Anhäufung vokaler und instrumentaler Stimmen in der Oper wirkt zwar auf musikalische Weise; jedoch steht die Erhöhung der Wirkung, vom bloßen Quartett bis zu jenen hundertstimmigen Orchestern, durchaus nicht im Verhältnis mit der Vermehrung der Mittel, weil eben der Akkord doch nicht mehr, als drei, nur in Einem Fall vier Töne haben und der Geist nie mehr zugleich auffassen kann, von wie vielen Stimmen verschiedener Oktaven auf Ein Mal jene drei oder vier Töne auch angegeben werden mögen. — Aus dem Allen ist erklärlich, wie eine schöne, nur vierstimmig aufgeführte Musik bisweilen uns tiefer ergreifen kann, als die ganze opera seria, deren Auszug sie liefert; — eben wie die Zeichnung bisweilen mehr wirkt, als das Ölgemälde. Was dennoch die Wirkung des Quartetts hauptsächlich niederhält, ist, dass ihm die Weite der Harmonie, d. h. die Entfernung zweier oder mehrerer Oktaven zwischen dem Bass und der tiefsten der drei oberen Stimmen abgeht, wie sie von der Tiefe des Kontrabasses aus dem Orchester zu Gebote steht. (P. II, 466.)