Schopenhauers Kosmos

 

 Objekt.

1) Bedingtheit des Objekts durch das Subjekt.

Alles Objekt ist mit dem Bedingtsein durch das Subjekt behaftet und ist nur für das Subjekt da, ist Vorstellung des Subjekts. Es ist daher falsch, von einem Objekt zu reden, welches der Vorstellung zum Grunde läge; denn Objekt und Vorstellung sind nicht unterschieden; sondern sind Eines und das Selbe, da alles Objekt immer und ewig ein Subjekt voraussetzt und daher doch Vorstellung bleibt. Das Objektsein gehört zur allgemeinsten Form der Vorstellung, welche eben das Zerfallen in Objekt und Subjekt ist. Die Welt als Vorstellung hat zwei wesentliche, notwendige und untrennbare Hälften, Objekt und Subjekt. Jede dieser beiden Hälften hat nur durch und für die andere Bedeutung und Dasein, ist mit ihr da und verschwindet mit ihr. Sie begrenzen sich unmittelbar; wo das Objekt anfängt, hört das Subjekt auf. (W. I, 3—6. 16 fg. 114; II, 6—8. 12. G. 27. 32 fg.)
Es ist eine philosophische Grundwahrheit, dass alles Objekt, sowohl materiell, seinem objektiven Dasein überhaupt, als formell, der Art und Weise dieses Daseins nach, durch das erkennende Subjekt durchweg bedingt, mithin bloße Erscheinung, nicht Ding an sich ist. (W. II, 9. 196.) Wie mit dem Subjekt sofort auch das Objekt gesetzt ist (da sogar das Wort sonst ohne Bedeutung ist) und auf gleiche Weise mit dem Objekt das Subjekt, und also Subjektsein gerade so viel bedeutet, als ein Objekt haben, und Objektsein so viel, als vom Subjekt erkannt werden; genau eben so ist auch mit einem auf irgend eine Weise bestimmten Objekt sofort auch das Subjekt als auf eben solche Weise erkennend gesetzt. Insofern ist es einerlei, ob ich sage: Die Objekte haben solche und solche ihnen anhängende und eigentümliche Bestimmungen; oder: Das Subjekt erkennt auf solche und solche Weise; einerlei, ob ich sage: Die Objekte sind in solche Klassen zu teilen; oder: Dem Subjekt sind solche unterschiedene Erkenntniskräfte eigen. (G. 142.) Berauben wir das Subjekt aller näheren Bestimmungen und Formen seines Erkennens; so verschwinden auch am Objekt alle Eigenschaften, und nichts bleibt übrig, als die Materie ohne Form und Qualität, welche in der Erfahrung so wenig vorkommen kann, wie das Subjekt ohne Formen seines Erkennens. (W. II, 17.)

2) Einteilung der Objekte.

Die gesamte Welt der Objekte oder Welt als Vorstellung zerfällt in zwei Hauptklassen:
  1. Die dem Satz vom Grunde unterworfenen Objekte, die Objekte der Erfahrung und Wissenschaft. (W. 1stes Buch.)
  2. Die dem Satz vom Grunde nicht unterworfenen Objekte, die Platonischen Ideen, das Objekt der Kunst. (W. 3tes Buch.)
Die erste Klasse zerfällt wieder in vier untergeordnete Klassen. Über diese vier Klassen der dem Satz vom Grunde unterworfenen Objekte s. unter Grund: Die vier Gestalten des Satzes vom zureichenden Grunde. — Über die vom Satz vom Grunde unabhängigen Objekte, die Ideen, s. Idee und Kunst.

3) Realität der objektiven Welt.

(S. Außenwelt.)

4) Falsche Stellung des Dogmatismus und Skeptizismus zum Objekt.

Der realistische Dogmatismus, die Vorstellung als Wirkung des Objekts betrachtend, trennt diese beiden, Vorstellung und Objekt, die eben Eines sind und nimmt eine von der Vorstellung ganz verschiedene Ursache an, ein Objekt an sich, unabhängig vom Subjekt, etwas völlig Undenkbares. Ihm stellt der Skeptizismus, unter der selben falschen Voraussetzung, entgegen, dass man in der Vorstellung immer nur die Wirkung habe, nie die Ursache, also nie das Sein, immer nur das Wirken der Objekte kenne, dieses aber mit jenem vielleicht gar keine Ähnlichkeit haben möchte, ja wohl gar überhaupt ganz fälschlich angenommen würde, da das Gesetz der Kausalität erst aus der Erfahrung angenommen sei, deren Realität nun wieder darauf beruhen soll. — Hierauf nun gehört Beiden die Belehrung, erstlich, dass Objekt und Vorstellung das Selbe sind, dann dass das Sein der anschaulichen Objekte eben ihr Wirken ist. Die Forderung eines Seins des wirklichen Dinges (angeschauten Objekts) verschieden von seinem Wirken hat gar keinen Sinn und ist ein Widerspruch. Die Erkenntnis der Wirkungsart eines angeschauten Objekts erschöpft daher es selbst, sofern es Objekt, d. h. Vorstellung ist, da außerdem für die Erkenntnis nichts an ihm übrig bleibt. (W. I, 16.)

5) Das unmittelbare Objekt.

(S. Leib.)