Schopenhauers Kosmos

 

 Neugier.

1) Gegensatz zwischen Neugier und Wissbegier.

Das Begehren nach Kenntnissen, wenn auf das Allgemeine gerichtet, heißt Wissbegier; wenn auf das Einzelne, Neugier. — Knaben zeigen meistens Wissbegier; kleine Mädchen bloße Neugier. Die dem weiblichen Geschlechte eigentümliche Richtung auf das Einzelne, bei Unempfänglichkeit für das Allgemeine, kündigt sich hierin schon an. (P. II, 65.)

2) Was die Menschen so sehr neugierig macht.

Was die Menschen so sehr neugierig macht, wie wir an ihrem Kucken und Spionieren nach dem Treiben Anderer sehen, ist der dem Leiden entgegengesetzte Pol des Lebens, die Langeweile; — wiewohl auch oft der Neid dabei mitwirkt. (P. II, 627.) So unempfänglich und gleichgültig die Leute gegen allgemeine Wahrheiten sind, so erpicht sind sie auf individuelle. (P. I, 496.)