Schopenhauers Kosmos

 

 Nachsicht.

1) Nutzen der Nachsicht.

Um durch die Welt zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat von Vorsicht und Nachsicht mitzunehmen; durch erstere wird man vor Schaden und Verlust, durch letztere vor Streit und Händel geschützt. (P. I, 472 fg. Vergl. auch Geduld.)

2) Welche Weltanschauung die Nachsicht befördert.

Uns mit Nachsicht gegen einander zu erfüllen, ist nichts geeigneter, als die Überzeugung, dass die Welt, also auch der Mensch, etwas ist, das eigentlich nicht sein sollte; denn was kann man von Wesen unter solchem Prädikament erwarten? — Ja, von diesem Gesichtspunkt aus könnte man auf den Gedanken kommen, dass die eigentlich passende Anrede zwischen Mensch und Mensch, statt Monsieur, Sir u. s. w. sein möchte Leidensgefährte, Soci malorum u. s. w. So seltsam dies klingen mag; so entspricht es doch der Sache, wirft auf den Andern das richtigste Licht und erinnert an das Nötigste, an die Toleranz, Geduld, Schonung und Nächstenliebe, deren Jeder bedarf und daher auch Jeder schuldig ist. (P. II, 325.)