Schopenhauers Kosmos

 

 Metaphysik.

1) Ursprung der Metaphysik.

Die Metaphysik hat ihren Ursprung in dem metaphysischen Bedürfnis des Menschen. Der Mensch allein ist ein animal metaphysicum und unterscheidet sich durch das ihm eigene Bedürfnis einer Metaphysik, das aus der bei ihm in Folge der Sonderung des Intellekts vom Willen eingetretenen Besinnung und Bewunderung über das Dasein entspringt, vom Tiere. (S. unter Mensch: Unterschied zwischen Tier und Mensch.) Nur dem gedankenlosen Tiere scheint sich die Welt und das Dasein von selbst zu verstehen; dem Menschen hingegen ist sie ein Problem, dessen sogar der Roheste und Beschränkteste in einzelnen helleren Augenblicken lebhaft inne wird, das aber Jedem um so deutlicher und anhaltender ins Bewusstsein tritt, je heller und besonnener dieses ist und je mehr Stoff zum Denken er durch Bildung sich angeeignet hat, welches Alles endlich in den zum Philosophieren geeigneten Köpfen sich zu derjenigen Verwunderung steigert, die das Problem des Daseins in seiner ganzen Größe erfasst. In der Tat ist die Unruhe, welche die nie ablaufende Uhr der Metaphysik in Bewegung erhält, das Bewusstsein, dass das Nichtsein dieser Welt eben so möglich sei, wie ihr Dasein. (W. II, 175—177. 189 fg. H. 334.)
Das metaphysische Bedürfnis, welches so unvertilgbar ist, wie irgend ein physisches, macht sich der Menschheit zu allen Zeiten innig und lebhaft fühlbar, am stärksten aber, wenn das Ansehen der Glaubenslehre mehr und mehr gesunken ist. (G. 122. P. I, 160. — Vergl. Glaube. Glaubenslehre.)

2) Definition der Metaphysik.

Unter Metaphysik ist jede angebliche Erkenntnis zu verstehen, welche über die Möglichkeit der Erfahrung, also über die Natur, oder die gegebene Erscheinung der Dinge, hinausgeht, um Aufschluss zu erteilen über Das, wodurch jene, in einem oder dem anderen Sinne, bedingt wäre, oder, populär zu reden, über Das, was hinter der Natur steckt und sie möglich macht. (W. II, 180.) Die Metaphysik begnügt sich nicht damit, nur das Vorhandene, die Natur, kennen zu lehren, zu ordnen und in seinem Zusammenhang zu betrachten; sondern sie fasst es auf als eine gegebene, aber irgendwie bedingte Erscheinung, in welcher ein von ihr selbst verschiedenes Wesen, welches das Ding an sich ist, sich darstellt. Dieses nun sucht sie näher kennen zu lernen. (P. II, 19.) Die Metaphysik geht über die Erscheinung, d. i. die Natur hinaus, zu dem in oder hinter ihr Verborgenen (το μετα το φυσικον), es jedoch immer nur als das in ihr Erscheinende, nicht aber unabhängig von aller Erscheinung betrachtend; sie bleibt daher immanent und wird nicht transzendent. Denn sie reißt sich von der Erfahrung nie ganz los, sondern bleibt die bloße Deutung und Auslegung derselben, da sie vom Dinge an sich nie anders, als in seiner Beziehung zur Erscheinung redet. (W. II, 203.) Der Grund und Boden, auf dem alle unsere Erkenntnisse und Wissenschaften ruhen, ist das Unerklärliche. Auf dieses führt daher jede Erklärung, mittelst mehr oder weniger Mittelglieder, zurück. Dieses Unerklärliche fällt der Metaphysik anheim. (P. II, 3. W. I, 97. P. II, 151.)

3) Einteilung der Metaphysik.

Die Metaphysik zerfällt in drei Teile:
1) Metaphysik der Natur,
2) Metaphysik des Schönen,
3) Metaphysik der Sitten.
Die Metaphysik der Natur betrachtet das Ding an sich, das innere und letzte Wesen der Erscheinung, den Willen, wie er in der äußern Natur sich darstellt. Die Metaphysik des Schönen nimmt die vollkommenste und reinste Auffassung seiner äußeren oder objektiven Erscheinung in Betracht. Die Metaphysik der Sitten untersucht seine unmittelbare Manifestation in unserm Innern. (P. II, 20.)

4) Die Erkenntnisquellen der Metaphysik.

Die Mittel zur Lösung des Problems der Metaphysik sind teils das Zusammenbringen der äußeren mit der inneren Erfahrung; teils die Erlangung eines Verständnisses der gesamten Erscheinung, mittelst Auffindung ihres Sinnes und Zusammenhanges, — zu vergleichen der Ablesung bis dahin rätselhafter Charaktere einer unbekannten Schrift. (P. II, 19.) Die Metaphysik ist weder eine Wissenschaft aus bloßen Begriffen, noch ist sie ein System von Folgerungen aus Sätzen a priori; sondern sie ist ein Wissen, geschöpft aus der Anschauung der äußern, wirklichen Welt und dem Aufschluss, welchen über diese die intimste Tatsache des Selbstbewusstseins liefert, niedergelegt in deutliche Begriffe. Sie ist demnach Erfahrungswissenschaft; aber nicht einzelne Erfahrungen, sondern das Ganze und Allgemeine aller Erfahrung ist ihr Gegenstand und ihre Quelle. (W. II, 199—204.)

5) Unterschied zweier Arten von Metaphysik.

Die große ursprüngliche Verschiedenheit der Verstandeskräfte, wozu noch die der Ausbildung derselben kommt, setzt einen so großen Unterschied zwischen Menschen, dass nicht wohl eine Metaphysik für Alle ausreichen kann; daher wir bei den zivilisierten Völkern durchgängig zwei verschiedene Arten derselben antreffen, deren eine ihre Beglaubigung in sich, die andere außer sich hat. Jene ist die philosophische, diese die religiöse Metaphysik, die man auch als Volksmetaphysik bezeichnen kann. Jene erfordert Nachdenken, Bildung, Muße und Urteil, kann daher nur äußerst Wenigen zugänglich sein. Diese stützt sich auf Offenbarung, dokumentiert durch Zeichen und Wunder, und ist daher für die große Anzahl der Menschen, als welche nicht zu denken, sondern nur zu glauben befähigt und nicht für Gründe, sondern nur für Autorität empfänglich ist. Beide Arten der Metaphysik, deren Unterschied sich kurz durch Überzeugungslehre und Glaubenslehre bezeichnen lässt, haben Dies gemein, dass jedes einzelne System derselben in einem feindlichen Verhältnis zu allen übrigen seiner Art steht. (W. II, 180 fg.)
Ein System der ersten Art, also eine Philosophie, macht den Anspruch und hat daher die Verpflichtung, in Allem, was sie sagt, sensu stricto et proprio wahr zu sein; denn sie wendet sich an das Denken und die Überzeugung. Eine Religion hingegen, für die Unzähligen bestimmt, welche die tiefsten und schwierigsten Wahrheiten sensu proprio zu fassen unfähig sind, hat auch nur die Verpflichtung sensu allegorico wahr zu sein. Ist sie dieses, so erfüllt sie ihre Bestimmung für die große Menge und kann unangefochten neben der philosophischen Metaphysik bestehen. Ihre allegorische Natur entzieht die Religionen den der Philosophie obliegenden Beweisen und überhaupt der Prüfung. Dadurch aber, dass die Religionen ihre allegorische Natur nie eingestehen dürfen, sondern sich als sensu proprio wahr zu behaupten haben, tun sie einen Eingriff in das Gebiet der eigentlichen (philosophischen) Metaphysik und rufen den Antagonismus dieser hervor, der daher zu allen Zeiten, an denen sie nicht an die Kette gelegt worden, sich äußert. (W. II, 183 fg.)

6) Zwei Klassen von Menschen, die von der Metaphysik leben.

Niemals hat es an Leuten gefehlt, welche auf das metaphysische Bedürfnis des Menschen ihren Unterhalt zu gründen und dasselbe möglichst auszubeuten bemüht waren. Die eine und zahlreichste Klasse derselben sind die Priester, die Monopolisten und Generalpächter desselben, denen jedoch ihr Gewerbe überall dadurch gesichert werden musste, dass sie das Recht erhielten, ihre metaphysischen Dogmen den Menschen schon in der ersten Kindheit, ehe noch die Urteilskraft erwacht ist, beizubringen. Eine zweite, wiewohl nicht zahlreiche Klasse machen Die aus, die von der Philosophie leben; bei den Griechen hießen sie Sophisten, bei Neuren Professoren der Philosophie. (W. II, 178 fg.)

7) Verhältnis der Metaphysik zur Physik.

In der Natur der Erklärungen, welche die Physik (im weitesten Sinne des Worts) von den Erscheinungen gibt, liegt schon, dass sie nicht genügen können. Die Physik vermag nicht auf eigenen Füßen zu stehen, sondern bedarf einer Metaphysik, sich darauf zu stützen; denn sie erklärt die Erscheinungen durch ein noch Unbekannteres, als diese selbst sind: durch Naturgesetze, beruhend auf Naturkräften. Allerdings muss der ganze gegenwärtige Zustand aller Dinge notwendig aus rein physischen Ursachen erklärbar sein. Allein eben so notwendig müsste eine solche Erklärung stets mit zwei wesentlichen Unvollkommenheiten behaftet sein, vermöge welcher alles so Erklärte doch wieder eigentlich unerklärt bliebe. Erstlich nämlich mit dieser, dass der Anfang der Alles erklärenden Kette von Ursachen und Wirkungen unaufhörlich ins Unendliche zurückweicht, und zweitens mit dieser, dass sämtliche wirkende Ursachen, aus denen man Alles erklärt, stets auf einem völlig Unerklärbaren beruhen, nämlich auf den ursprünglichen Qualitäten der Dinge und den in diesen sich hervortun den Naturkräften. (Vergl. Ätiologie.) Diese beiden Mängel zeigen an, dass die physische Erklärung als solche ungenügend ist und noch einer Metaphysischen bedarf, welche den Schlüssel zu allen ihren Voraussetzungen liefert eben deshalb aber auch einen ganz anderen Weg einschlagen muss. (W. II, 191—196.) Wie große Fortschritte auch die Physik je machen möge; so wird damit noch nicht der kleinste Schritt zur Metaphysik geschehen sein. Denn solche Fortschritte werden immer nur die Erkenntnis der Erscheinung vervollständigen; während die Metaphysik über die Erscheinung selbst hinausstrebt zum Erscheinenden. (W. II, 197. P. II, 98. H. 337.) Jedoch ist, andererseits anzuerkennen, dass die möglichst vollständige Naturerkenntnis die berichtigte Darlegung des Problems der Metaphysik ist; daher soll Keiner sich an diese wagen, ohne zuvor eine zusammenhängende Kenntnis aller Zweige der Naturwissenschaft sich erworben zu haben. Denn das Problem muss der Lösung vorhergehen. (W. II, 198.) Die Metaphysik unterbricht den Gang der Physik nie, sondern nimmt nur den Faden da auf, wo diese ihn liegen lässt, nämlich bei den ursprünglichen Kräften, an welchen alle Kausalerklärung ihre Grenze hat. Hier erst hebt die metaphysische Erklärung aus dem Willen als Ding an sich an. (W. II, 339.) Weil jegliches Wesen in der Natur zugleich Erscheinung und Ding an sich, oder auch natura naturata und natura naturans ist; so ist es demgemäß einer zwiefachen Erklärung fähig, einer physischen und einer metaphysischen. Die physische ist allemal aus der Ursache, die metaphysische allemal aus dem Ding an sich, dem Willen. (P. II, 98.)

8) Möglichkeit einer Metaphysik, welcher Gewissheit und Unwandelbarkeit zukommt.

Der nicht abzuleugnende Ursprung der Metaphysik aus empirischen Erkenntnisquellen benimmt ihr freilich die Art apodiktischer Gewissheit, welche allein durch Erkenntnis a priori möglich ist; diese bleibt das Eigentum der Logik und Mathematik. Höchstens lassen noch die allerersten Elemente der Naturlehre sich aus der Erkenntnis a priori ableiten. Durch dieses Eingeständnis gibt die Metaphysik nur einen alten Anspruch auf, welcher auf Missverständnis beruhte und gegen welchen die große Verschiedenheit und Wandelbarkeit der metaphysischen Systeme jederzeit gezeugt hat. Gegen ihre Möglichkeit überhaupt kann jedoch diese Wandelbarkeit nicht geltend gemacht werden; da dieselbe eben so sehr alle Zweige der Naturwissenschaft und sogar die Geschichte trifft. Wenn aber einmal ein, soweit die Schranken des menschlichen Intellekts es zulassen, richtiges System der Metaphysik gefunden sein wird; so wird ihm die Unwandelbarkeit einer a priori erkannten Wissenschaft doch zukommen, weil sein Fundament nur die Erfahrung überhaupt sein kann, nicht aber die einzelnen und besonderen Erfahrungen, durch welche hingegen die Naturwissenschaften und die Geschichte modifiziert werden. Denn die Erfahrung im Ganzen und Allgemeinen wird nie ihren Charakter gegen einen neuen vertauschen. (W. II, 201 fg.) Die Unmöglichkeit einer Metaphysik auf dem Wege der vorkantischen Dogmatik, welche nach gewissen uns a priori bewussten Gesetzen vom Gegebenen auf das Nichtgegebene, von der Folge auf den Grund, also von der Erfahrung auf das über ihr Seiende schließen wollte, tat Kant dar. Allein es gibt noch andere Wege zur Metaphysik. Das Ganze der Erfahrung gleicht einer Geheimschrift, deren Entzifferung sich durch den überall hervortretenden Zusammenhang bewährt. Wenn dieses Ganze nur tief genug gefasst und an die äußere die innere Erfahrung geknüpft wird, so muss es aus sich selbst gedeutet, ausgelegt werden können. (W. II, 202 fg.; I 505—507.)

9) Kennzeichen der wahren Metaphysik.

Eine solche Entzifferung der Welt in Beziehung auf das in ihr Erscheinende, wie die Metaphysik ist, muss ihre Bewährung aus sich selbst erhalten, durch die Übereinstimmung, in welche sie die so verschiedenartigen Erscheinungen der Welt zu einander setzt. Wenn man eine Schrift findet, deren Alphabet unbekannt ist; so versucht man die Auslegung solange, bis man auf eine Annahme der Bedeutung der Buchstaben gerät, unter welcher sie verständliche Worte und zusammenhängende Perioden bilden. Dann aber bleibt kein Zweifel an der Richtigkeit der Entzifferung; weil es nicht möglich ist, dass die Übereinstimmung und der Zusammenhang bloß zufällig wäre. Auf ähnliche Art muss die Entzifferung der Welt sich aus sich selbst vollkommen bewähren. Sie muss ein gleichmäßiges Licht über alle Erscheinungen der Welt verbreiten und auch die heterogensten in Übereinstimmung bringen, so dass auch zwischen den kontrastierendsten der Widerspruch gelöst wird. Diese Bewährung aus sich selbst ist das Kennzeichen ihrer Echtheit. Denn jede falsche Entzifferung wird, wenn sie auch zu einigen Erscheinungen passt, den übrigen desto greller widersprechen, wie sich denn auch tatsächlich ein unabsehbares Register der Widersprüche dogmatischer Annahmen mit der gegebenen Wirklichkeit der Dinge zusammenstellen lässt. Hingegen erweist sich das gefundene Wort eines Rätsels als das rechte dadurch, dass alle Aussagen desselben zu ihm passen. (W. II, 204—206.)

10) Ursache der geringen Fortschritte der Metaphysik.

Wenn man der Metaphysik vorwirft, im Laufe der Jahrhunderte so geringe Fortschritte gemacht zu haben; so sollte man auch berücksichtigen, dass keine andere Wissenschaft gleich ihr unter fortwährendem Druck erwachsen, keine von Außen so gehemmt und gehindert worden ist, wie sie allezeit durch die Religion jedes Landes. Nicht allein auf die Mitteilung der Gedanken, sondern auf das Denken selbst erstreckt sich der von der privilegierten Metaphysik, der Landesreligion, ausgeübte Zwang, dadurch, dass ihre Dogmen dem zarten, bildsamen, vertrauensvollen und gedankenlosen Kindesalter so fest und feierlich eingeprägt werden, dass sie von dem an mit dem Gehirn verwachsen und fast die Natur angeborener Gedanken annehmen. (W. II, 207 fg. P. II, 14.)
(Über den Vorzug der Alten vor den Neuen in Hinsicht auf die für Fortschritte in der Metaphysik nötige Denkfreiheit s. d. Alten.)

11) Dienst, den die Metaphysik der Menschheit geleistet hat.

Bei dem Vorwurf der geringen Fortschritte der Metaphysik und ihres noch immer nicht erreichten Zieles sollte man erwägen, dass sie unterweilen immerfort den unschätzbaren Dienst geleistet hat, den unendlichen Ansprüchen der privilegierten Metaphysik (der Landesreligionen) Grenzen zu setzen und dabei zugleich doch dem, gerade durch diese als unausbleibliche Reaktion hervorgerufenen, eigentlichen Naturalismus und Materialismus entgegen zu arbeiten. Man bedenke, wohin es mit den Anmaßungen der Priesterschaft jeder Religion kommen würde, wenn der Glaube an ihre Lehren so fest und blind wäre, wie jene eigentlich wünscht. (W. II, 208 fg.) Das Studium der Metaphysik stellt sich dem Betrug über die Gegenstände derselben, d. h. den positiven Religionen, als Schutzwehr entgegen. (H. 334.)

12) Verpflichtung der Metaphysik.

Die Metaphysik hat nur eine einzige Verpflichtung; denn es ist eine, die keine andere neben sich duldet: die Verpflichtung wahr zu sein. Wollte man neben dieser ihr noch andere auflegen, wie etwa die, spiritualistisch, optimistisch, ja auch nur die, moralisch zu sein; so kann man nicht zum voraus wissen, ob diese nicht der Erfüllung jener ersten entgegenständen, ohne welche alle ihre sonstigen Leistungen offenbar wertlos sein müssten. (W. II, 209.)

13) Schranken der Metaphysik.

Obwohl Metaphysik als widerspruchslose Entzifferung der Welt möglich ist, so ist sie es doch nicht in dem Sinne, dass sie kein Problem zu lösen übrig, keine mögliche Frage unbeantwortet ließe. Dergleichen zu behaupten, wäre eine vermessene Ableugnung der Schranken menschlicher Erkenntnis überhaupt. Die letzte Lösung des Rätsels der Welt müsste notwendig bloß von den Dingen an sich, nicht mehr von Erscheinungen reden. Aber gerade auf diese allein sind alle unsere Erkenntnisformen angelegt; daher müssen wir uns Alles durch ein Nebeneinander, Nacheinander und Kausalitätsverhältnisse fasslich machen. Aber die Dinge an sich selbst und ihre möglichen Verhältnisse lassen sich durch jene Formen nicht erfassen. (Vergl. Ding an sich.) Daher muss die wirkliche positive Lösung des Rätsels der Welt etwas sein, das der menschliche Intellekt zu fassen und zu denken unfähig ist. (W. II, 206.) Die Lösung des Rätsels der Welt ist nur innerhalb gewisser Schranken, die von unserer endlichen Natur unzertrennlich sind, möglich, mithin so, dass wir zum richtigen Verständnis der Welt gelangen, ohne jedoch eine abgeschlossene und alle ferneren Probleme aufhebende Erklärung ihres Daseins zu erreichen. (W. I, 507.) Kant hat nachgewiesen, dass die Probleme der Metaphysik keiner direkten, überhaupt keiner genügenden Lösung fähig seien. Dies nun aber beruht im letzten Grunde darauf, dass sie ihren Ursprung in den Formen unseres Intellekts, Zeit, Raum und Kausalität haben, während dieser Intellekt bloß die Bestimmung hat, dem individuellen Willen die Gegenstände seines Wollens nebst den Mitteln zu ihrer Erreichung zu zeigen. Wird jedoch dieser Intellekt abusive auf das Wesen an sich der Dinge gerichtet, so gebären die besagten, ihm anhängenden Formen ihm die metaphysischen Probleme. Denken wir uns nun aber einmal jene Formen aufgehoben, so würden diese Probleme ganz wegfallen. (P. II, 103; I, 90.)

14) Die praktische Metaphysik.

(S. Magie und Magnetismus.)