Schopenhauers Kosmos

 

 Luxus.

1) Gegen den Luxus.

Der Luxus ist die entferntere Ursache jenes Übels, welches entweder unter dem Namen der Sklaverei, oder unter dem des Proletariats, jederzeit auf der großen Mehrzahl des Menschengeschlechts gelastet hat. Damit nämlich einige Wenige das Entbehrliche, Überflüssige und Raffinierte haben, ja, erkünstelte Bedürfnisse befriedigen können, muss auf Dergleichen ein großes Maß der vorhandenen Menschenkräfte verwendet und daher dem Notwendigen, der Hervorbringung des Unentbehrlichen, entzogen werden. So lange daher auf der einen Seite der Luxus besteht, muss notwendig auf der anderen übermäßige Arbeit und schlechtes Leben bestehen, sei es unter dem Namen der Armut oder dem der Sklaverei. Der ganze unnatürliche Zustand der Gesellschaft, der allgemeine Kampf, um dem Elend zu entgehen, die so viel Leben kostende Seefahrt, das verwickelte Handelsinteresse und endlich die Kriege, zu welchen das Alles Anlass gibt, — alles Dieses hat zur alleinigen Wurzel den Luxus. Demnach würde zur Verminderung des menschlichen Elends das Wirksamste die Verminderung, ja, Aufhebung des Luxus sein. (P. II, 261 fg.)

2) Für den Luxus.

So viel Wahres auch die angegebenen Gegengründe gegen den Luxus haben, so lässt sich ihnen doch Folgendes entgegenstellen. Was durch die dem Luxus frönenden Arbeiten das Menschengeschlecht an Muskelkräften (Irritabilität) für seine notwendigsten Zwecke verliert, wird ihm reichlich ersetzt durch die gerade bei dieser Gelegenheit frei werdenden Nervenkräfte (Sensibilität, Intelligenz). Künste und Wissenschaften sind Kinder des Luxus, und ihr Werk ist jene Vervollkommnung der Technologie in allen ihren Zweigen, welche das Maschinenwesen zu einer früher nie geahndeten Höhe gebracht hat. Die Erzeugnisse der Maschinen aber kommen keineswegs den Reichen allein, sondern Allen zu Gute. Auch das Leben der niedrigsten Klasse hat daher gegen frühere Zeiten viel an Bequemlichkeit gewonnen, und durch Verminderung schwerer körperlicher Arbeit ist die Geisteskultur allgemeiner geworden. Weil ferner die Künste die Sitten mildern, so werden auch die Kriege und Duelle immer seltener. Abgesehen hiervon aber ist gegen die Abschaffung des Luxus und gegen die Einführung gleichmäßiger Verteilung aller körperlichen Arbeit zu erwägen, dass die große Herde des Menschengeschlechts der Führer und Leiter bedarf, und dass diese sowohl von körperlicher Arbeit, als von gemeinem Mangel befreit zu bleiben, ja auch nach Maßgabe ihrer viel größeren Leistungen mehr zu besitzen und zu genießen berechtigt sind, als der gemeine Mann. (P. II, 262—264.)