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Schopenhauers Kosmos

 

 Grundsätze.

1) Unentbehrlichkeit der Grundsätze zu einem moralischen Lebenswandel.

Obwohl Grundsätze und abstrakte Erkenntnis keineswegs die Urquelle oder erste Grundlage der Moralität sind; so sind sie doch zu einem moralischen Lebenswandel unentbehrlich, als das Behältnis, das Reservoir, in welchem die aus der Quelle aller Moralität (dem Mitleiden), als welche nicht in jedem Augenblicke fließt, entsprungene Gesinnung aufbewahrt wird, um, wenn der Fall der Anwendung kommt, durch Ableitungskanäle dahin zu fließen. Ohne fest gefasste Grundsätze würden wir den antimoralischen Triebfedern, wenn sie durch äußere Eindrücke zu Affekten erregt sind, unwiderstehlich Preis gegeben sein. Das Festhalten und Befolgen der Grundsätze, den ihnen entgegen wirkenden Motiven zum Trotz, ist Selbstbeherrschung. (E. 214 fg.)

2) Unfähigkeit des Tieres zu Grundsätzen und Schwäche der Weiber im Verstehen und Befolgen derselben.

Da Grundsätze durch die abstrakte oder Vernunfterkenntnis bedingt sind, diese aber dem Tiere gänzlich fehlt, so ist das Tier keiner Grundsätze und mithin keiner Selbstbeherrschung fähig, sondern dem Eindruck und Affekt wehrlos hingegeben. (E. 215.) Bei den Weibern überwiegt die intuitive Erkenntnis die abstrakte. Das Anschauliche, Gegenwärtige, unmittelbar Reale ist ihnen fasslicher, als das nur mittelst der Begriffe erkennbare Entfernte, Abwesende, Vergangene, Zukünftige. Wegen dieser Schwäche ihrer Vernunft sind sie weit weniger, als die Männer fähig, allgemeine Grundsätze zu verstehen, festzuhalten und zur Richtschnur zu nehmen. (E. 215.)

3) Unbewusste Grundsätze.

Nach abstrakten Grundsätzen handeln ist schwer und gelingt erst nach vieler Übung, und selbst da nicht jedes Mal; auch sind sie oft nicht ausreichend. Hingegen hat Jeder gewisse angeborene, konkrete Grundsätze, die ihm in Blut und Saft stecken, indem sie das Resultat alles seines Denkens, Fühlens und Wollens sind. Er kennt sie meistens nicht in abstrakto, sondern wird erst beim Rückblick auf sein Leben gewahr, dass er sie stets befolgt hat und von ihnen, wie von einem unsichtbaren Faden ist gezogen worden. Je nachdem sie sind, werden sie ihn zu seinem Glück oder Unglück leiten. (P. I, 500.)