rel='stylesheet' type='text/css'>
Schopenhauers Kosmos

 

 Gefühl.

1) Gefühl als Tastsinn.

S. Sinne.

2) Gefühl als Gegensatz des Wissens.

Im strengen Sinne genommen ist die abstrakte begriffliche Erkenntnis allein ein Wissen. Wissen ist das Fixierthaben in Begriffen der Vernunft des auf andere Weise überhaupt Erkannten. (Vergl. Wissen.) In dieser Hinsicht nun ist der eigentliche Gegensatz des Wissens das Gefühl. Das Wort Gefühl hat durchaus einen negativen Inhalt, nämlich diesen, dass Etwas, das im Bewusstsein gegenwärtig ist, nicht Begriff, nicht abstrakte Erkenntnis der Vernunft sei. So wird von jeder Erkenntnis, jeder Wahrheit, deren man sich nur erst intuitiv bewusst ist, sie aber noch nicht in abstrakte Begriffe abgesetzt hat, gesagt, dass man sie fühle. Die Sphäre des Begriffs Gefühl ist daher eine unmäßig weite, die heterogensten Dinge umfassende, welche hier lediglich, weil sie in der negativen Rücksicht, nicht abstrakte Begriffe zu sein, übereinstimmen, von der Vernunft unter einen Begriff zusammengefasst werden, ähnlich wie der Grieche alle Andern unter den Begriff Barbaren, der Gläubige alle Anderen unter den Begriff Ketzer, der Student alle Anderen unter den Begriff Philister zusammenfasst. Unkenntnis dieses Verhältnisses ist Schuld an der falschen Aufstellung eines besonderen Gefühlsvermögens und den Theorien über dasselbe. (W. I, 60—62.)

3) Gefühl als Willensaffektion.

Die Gefühle der Lust und Unlust sind Affektionen des selben Willens, der in den Entschlüssen und Handlungen tätig ist. Sie sind zwar in großer Mannigfaltigkeit von Graden und Arten vorhanden, lassen sich aber doch allemal zurückführen auf begehrende oder verabscheuende Affektionen, also auf den als befriedigt oder unbefriedigt, gehemmt oder losgelassen, sich seiner bewusst werdenden Willen selbst; ja dieses erstreckt sich bis auf die körperlichen, angenehmen oder schmerzlichen, und alle zwischen diesen beiden liegenden zahllosen Empfindungen; da das Wesen aller dieser Affektionen darin besteht, dass sie als ein dem Willen Gemäßes, oder ihm Widerwärtiges, unmittelbar ins Selbstbewusstsein treten. (E. 11 fg. G. 143.)