Schopenhauers Kosmos

 

 Folge, zeitliche.

1) Die zeitliche Folge als allein vermöge der Anschauung a priori verständliches Verhältnis.

Was in Hinsicht auf den Raum Lage heißt, das Verhältnis, in welchem die Teile desselben zu einander stehen, das heißt in Hinsicht auf die Zeit Folge, Sukzession. (G. 131.) Diese Verhältnisse sind eigentümliche, von allen anderen möglichen Verhältnissen unserer Vorstellungen durchaus verschiedene, daher weder der Verstand, noch die Vernunft, mittelst bloßer Begriffe, sie zu fassen vermag; sondern einzig und allein vermöge der reinen Anschauung a priori sind sie uns verständlich; denn was vor und nach sei, ist aus bloßen Begriffen so wenig deutlich zu machen, als was oben und unten, rechts und links, hinten und vorn sei. (G. 131.)

2) Gesetz der zeitlichen Folge.

In der Zeit ist jeder Augenblick bedingt durch den vorigen. So einfach ist hier der Grund des Seins, als Gesetz der Folge; weil die Zeit nur Eine Dimension hat, daher keine Mannigfaltigkeit der Beziehungen, wie im Raume, in ihr sein kann. Das Zählen dient dazu, die einzelnen Schritte der Sukzession zu markieren. (G. 133. Vergl. Arithmetik.)

3) Unabhängigkeit der zeitlichen Folge von der Kausalität.

Nach Kant können wir gar keine Folge in der Zeit als objektiv wahrnehmen, ausgenommen die von Ursache und Wirkung; jede andere von uns wahrgenommene Folge von Erscheinungen sei bloß durch unsere Willkür so und nicht anders bestimmt. Dies ist falsch. Denn Erscheinungen können sehr wohl auf einander folgen, ohne aus einander zu erfolgen. Und dies tut dem Gesetze der Kausalität keinen Abbruch. Denn es bleibt gewiss, dass jede Veränderung Wirkung einer anderen ist; nur folgt sie nicht bloß auf die einzige, die ihre Ursache ist, sondern auf alle andern, die mit jener Ursache zugleich sind und mit denen sie in keiner Kausalverbindung steht. Sie wird nicht gerade in der Folge der Reihe der Ursachen von mir wahrgenommen, sondern in einer ganz andern, die aber deshalb nicht minder objektiv ist und von einer subjektiven, z. B. meiner Phantasmen, sich sehr unterscheidet. Das Aufeinanderfolgen in der Zeit von Begebenheiten, die nicht in Kausalverbindung stehen, ist eben was man Zufall nennt. (G. 87 fg.)
(Über das Verhältnis von Grund und Folge s. Grund.)