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Schopenhauers Kosmos

 

 Erklärung.

1) Prinzip und Begriff aller Erklärung.

Der Satz vom Grunde ist das Prinzip aller Erklärung; denn eine Sache erklären heißt ihren gegebenen Bestand, oder Zusammenhang, zurückführen auf irgend eine Gestaltung des Satzes vom Grunde, der gemäß er sein muss, wie er ist. (G. 156. W. I, 88.) Die Nachweisung des Verhältnisses der Erscheinungen zu einander, gemäß dem Satz vom Grunde und am Leitfaden des durch ihn allein geltenden und bedeutenden Warum heißt Erklärung. (W. I, 95.)

2) Grenze der Erklärung.

Die Erklärung kann nie weiter gehen, als dass sie zwei Vorstellungen zu einander in dem Verhältnisse der in der Klasse, zu der sie gehören, herrschenden Gestaltung des Satzes vom Grunde zeigt. Ist sie dahin gelangt, so kann gar nicht weiter Warum gefragt werden; denn das nachgewiesene Verhältnis ist dasjenige, welches schlechterdings nicht anders vorgestellt werden kann, d. h. es ist die Form aller Erkenntnis. Daher fragt man nicht, warum 2+2=4 ist; oder warum auf irgendeine gegebene Ursache ihre Wirkung folgt; oder warum aus der Wahrheit der Prämissen die der Konklusion einleuchtet. Jede Erklärung, die nicht auf ein Verhältnis, davon weiter kein Warum gefordert werden kann, zurückführt, bleibt bei einer angenommenen qualitas occulta stehen; dieser Art ist aber auch jede ursprüngliche Naturkraft. Bei einer solchen muss jede naturwissenschaftliche Erklärung zuletzt stehen bleiben, also bei einem völlig Dunkeln. (Vergl. Ätiologie.) — Jede nach dem Leitfaden des Satzes vom Grunde gegebene Erklärung ist immer nur relativ; sie erklärt die Dinge in Beziehung aufeinander, lässt aber immer Etwas unerklärt, welches sie schon voraussetzt. Dieses ist z. B. in der Mathematik Raum und Zeit; in der Mechanik, Physik und Chemie die Materie, die Qualitäten, die ursprünglichen Kräfte, die Naturgesetze; in der Botanik und Zoologie die Verschiedenheit der Spezies und das Leben selbst; in der Geschichte das Menschengeschlecht, mit allen seinen Eigentümlichkeiten des Denkens und Wollens; — in allen der Satz vom Grunde in seiner jedesmal anzuwendenden Gestaltung. (W. I, 96 fg.)

3) Gegensatz zwischen physischer und metaphysischer Erklärung.

Weil jegliches Wesen in der Natur zugleich Erscheinung und Ding an sich oder auch natura naturata und natura naturans ist; so ist es demgemäß einer zweifachen Erklärung fähig, einer physischen und einer metaphysischen. Die physische ist allemal aus der Ursache; die metaphysische allemal aus dem Ding an sich, dem Willen. (P. II, 98 fg. 101.)
(Über die Erklärung der Erscheinungen aus den Ursachen siehe Ätiologie.)