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Schopenhauers Kosmos

 

 Eristik.

1) Definition der Eristik.

Die Eristik ist die Technik des Disputierens. (W. II, 112.) Da jedes auf Erforschung der Wahrheit gerichtete Gespräch mit Andern wegen der Verschiedenheit der Individualitäten leicht in die Kontroverse und wegen der Unredlichkeit der Menschen leicht in Rechthaberei übergeht; so muss man, um regelrecht zu disputieren und besonders um den Schlichen und Kniffen der Rechthaberei zu begegnen, gewisse formale Regeln innehaben und anwenden. Die Theorie dieser Regeln ist die Eristik oder eristische Dialektik. Sie ist also die geistige Fechtkunst, in Regeln gebracht. (P. II, 27 ff. H. 3 ff.)

2) Inhalt der Eristik.

Die Eristik enthält erstens die Darstellung des Wesentlichen jeder Disputation, das abstrakte Grundgerüst, gleichsam das Skelett der Kontroverse überhaupt. (P. II, 28—30. H. 11—14.) Zweitens enthält sie die begriffliche Darlegung der Stratagemata (Kunstgriffe), denen sich die Disputierenden instinktiv zu bedienen pflegen. (P. 30 ff. H. 14—35.) Diese Stratagemata nehmen als eristisch-dialektische Figuren die Stelle ein, welche in der Logik die syllogistischen, und in der Rhetorik die rhetorischen Figuren ausfüllen, mit welchen beiden sie das Gemeinsame haben, dass sie gewissermaßen angeboren sind, indem ihre Praxis der Theorie vorhergeht, man also, um sie zu üben, nicht erst sie gelernt zu haben braucht. (P. II, 27.)