Schopenhauers Kosmos

 

 Anthropologie.

Anthropologie als Erfahrungswissenschaft ist teils Anatomie und Physiologie, teils bloße empirische Psychologie, d. i. aus der Beobachtung geschöpfte Kenntnis der moralischen und Intellektuellen Äußerungen und Eigentümlichkeiten des Menschengeschlechts, wie auch der Verschiedenheit der Individualitäten in dieser Hinsicht. Das Wichtigste daraus wird jedoch notwendig als empirischer Stoff von den drei Teilen der Metaphysik (Metaphysik der Natur, des Schönen und der Sitten) vorweggenommen und bei ihnen verarbeitet. (P. II, 20 fg.)
Eine Anthropologie müsste drei Teile haben: 1) Beschreibung des äußeren oder objektiven Menschen, d. h. des Organismus; 2) Beschreibung des inneren oder subjektiven Menschen, d. h. des Bewusstseins, das diesen Organismus begleitet; 3) Nachweisung bestimmter Verhältnisse zwischen dem Bewusstsein und dem Organismus, also zwischen dem äußeren und inneren Menschen (nach Cabanis zu bearbeiten). Psychologie als selbstständige Wissenschaft kann kaum bestehen; denn die Phänomene des Denkens und Wollens lassen sich nicht gründlich betrachten, wenn man sie nicht zugleich ansieht als Wirkung physischer Ursachen im Organismus. (H. 350.)
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